Strom-Notstand in Bayern im Blick – Keine Stromlieferungen aus den Nachbarländern – Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke

Nach der Schätzung von Wirtschaftsministerin Frau Ilse Aigner muss der Freistaat im Jahr 2025 voraussichtlich 40 bis 50 Prozent des in Bayern verbrauchten Stroms durch Einfuhren decken.

Die Aussagen von Wirtschaftsministerin Frau Ilse Aigner werden durch die nachstehende KA!-Grafik bestätigt.

Die Untersuchungen des KA!-Arbeitskreises Energie und Umwelt belegen aber, dass eine Kompensation des bayerischen Stromdefizits, nach Abschaltung aller Kernkraftwerke und nach Aufzehrung der Überkapazitäten aus Norddeutschland, durch unsere Nachbarstaaten nicht möglich ist! 

Bayern hat nach Stilllegung seiner Kernkraftwerke außer Wasserkraftanlagen, Biogasanlagen und einigen Gas- und Kohlekraftwerke praktisch keine eigene gesicherte Stromerzeugung mehr.

Für eine gesicherte Stromversorgung ist die wetter- und tageslichtabhängige Wind- und Sonnenstrom-erzeugung wegen der extremen Schwankungen und Unzuverlässigkeit kaum brauchbar.

Auch mit der Zusammenschaltung vieler kleiner dezentraler Einheiten aus Windrädern, Solarzellen, Biogasanlagen und Wasserkraftwerken zu virtuellen Kraftwerken sowie durch Effizienzmaßnahmen kann eine gesicherte Stromversorgung nicht annähernd gewährleistet werden.

Nicht gedecktes Stromdefizit in Bayern 2023Die Versorgungssicherheit ist ein öffentliches Gut, welches zu jeder Zeit garantiert werden muss. Sie ist Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Industriestandorts Bayern mit seinen Arbeitsplätzen und integraler Teil der staatlichen Infrastruktur.

Die bayerische Stromversorgung ist bereits ab 2018 gefährdet.

Ab 2023 beträgt das Stromdefizit ~ 6 GW und bei Einhaltung der Notfallreseve ~ 8 GW.

Großflächige Stromengpässe drohen vor allem im bayerischen Winter, wenn alle Kernkraftwerke endgültig abgeschaltet, Überkapazitäten in Norddeutschland vollständig aufgezehrt sind, neue Kraftwerke mit ausreichender Kapazität fehlen und eine Kompensation des bayerischen Stromdefizits durch die Nachbarstaaten nicht erfolgt, Gaslieferungen ausbleiben – und Flaute herrscht.

Das Kapazitätsdefizit in den Nachbarländern wird bis zum Jahr 2020 auf ca. 20 GW ansteigen (LBA). Das größte Defizit entfällt voraussichtlich auf Frankreich mit 13 GW und Polen mit 6,5 GW.

Kapazitätsentwicklung in den Nachbarländern bis 2023

Die Kapazitätsunterdeckungen in den Nachbarländern gefährden zusätzlich die zu geringe bayerische Stromversorgung.

Derzeit ist unklar, wie die gewaltigen Versorgungslücken geschlossen werden sollen, wenn 2023 alle Kernkraftwerke abgeschaltet sind und neue Gaskraftwerke mit ausreichender Kabazität und Netzanbindung fehlen.

Bayern muss den Bau von Grund- und Spitzenlastkraftwerken mit neuestem technischen Stand und höchstem Wirkungsgrad sofort in Angriff nehmen. Um in neue flexible, umweltfreundlichere Kraftwerke zu investieren oder Bestandsanlagen zu ertüchtigen, fehlt heute jede Wirtschaftlichkeit.

Die Realisierung von Reservekraftwerken erfordert umfangreiche zusätzliche Subventionen die einen weiteren Anstieg der Stromkosten verursachen.

Für die rechtzeitige Fertigstellung von neuen Grund- und Spitzenlastkraftwerken ist die verbleibende Zeit für Planung, Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme aber bereits aüßerst knapp.

Der Wirtschaftsstandort Bayern ist in Gefahr!

Eine Revision der vorgesehenen Abschaltzeitpunkte für die Kernkraftwerke muss deshalb im Hinblick auf die Lebensfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Bayern mit seinen Arbeitsplätzen und zur Sicherung der Eigenversorgung ernsthaft in Betracht gezogen werden.